Sachsen: Grundsteuer berechnen nach dem Landesmodell Sachsen

Sachsen wird ebenfalls ein eigenes Grundsteuergesetz haben. Bei genauerem Hinsehen handelt es sich hierbei jedoch um das Bundesmodell, das Sachsen nur leicht modifiziert hat. Wie im Saarland legt Sachsen nämlich lediglich eigene Steuermesszahlen fest

Stand des Gesetzgebungsverfahrens

Mit Gesetz vom 3.2.2021 hat Sachsen bereits frühzeitig seine Grundsteuerreform auf den Weg gebracht (Sächsisches Grundsteuermesszahlengesetz, SächsGrStMG, erlassen als Art. 1 des Gesetzes zur Umsetzung der Grundsteuerreform).

Was bedeutet „modifiziertes Bundesmodell“?

Sachsen hat sich grundsätzlich für das Bundesmodell entschieden, verwendet aber davon abweichende Steuermesszahlen:

Steuermesszahl für

Bundesmodell

Sächsisches Modell

unbebaute Grundstücke

0,34 ‰

0,36 ‰

Einfamilienhäuser

Zweifamilienhäuser

Mietwohngrundstücke

Wohnungseigentum

0,31 ‰

0,36 ‰

Teileigentum

Geschäftsgrundstück

gemischt genutzte Grundstücke

sonstige bebaute Grundstücke

0,34 ‰

0,72 ‰

Weitere Abweichungen vom Bundesmodell gibt es nicht.

Vergleich: Berechnung der Grundsteuer nach dem Sächsischen Grundsteuermodell und dem Bundesmodell

Sachsen setzt das Bundesmodell nahezu unverändert um. Bis zum Grundsteuerwert sind die Rechenwege gleich. Durch die Festlegung eigener Messzahlen weicht die endgültige Grundsteuer in Sachsen jedoch vom Bundesmodell ab.

Beispiel:

Familie Heinke lebt in Meißen. Der Grundsteuerwert für ihr Einfamilienhaus beträgt 165.200 Euro. Der Hebesatz liegt bei 400 %.

So wird nach dem Bundesmodell bzw. saarländischen Landesmodell gerechnet

 

 

 

Bundesmodell

 

 

Landesmodell

 

Grundsteuerwert

 

165.200 Euro

 

 

165.200 Euro

×

Steuermesszahl

×

0,00031

 

×

0,00036

=

Steuermessbetrag

=

51,21 Euro

 

=

59,47 Euro

×

Hebesatz

×

400 %

 

×

400 %

=

Grundsteuer

=

204,84 Euro

 

=

237,88 Euro

Ergebnis der Vergleichsrechnung

Familie Heinke muss nach dem sächsischen Landesmodell wegen der höheren Steuermesszahl mehr Grundsteuer zahlen als nach dem Bundesmodell.

Ansonsten …

Anders als das Saarland hat Sachsen für unbebaute Grundstücke die gleiche Steuermesszahl festgelegt wie für Wohngebäude. Damit werden lediglich gewerblich genutzte Grundstücke bzw. Grundstücke, die nicht überwiegend zum Wohnen genutzt werden, stärker mit Grundsteuer belastet.

Beispiel:

Familie Weber besitzt ein gewerblich genutztes Grundstück in Meißen. Der Grundsteuerwert beträgt 100.000 Euro, der Hebesatz liegt bei 400 %.

 

 

 

Bundesmodell

 

 

Landesmodell

 

Grundsteuerwert

 

100.000 Euro

 

 

100.000 Euro

×

Steuermesszahl

×

0,00034

 

×

0,00072

=

Steuermessbetrag

=

34,- Euro

 

=

72,- Euro

×

Hebesatz

×

400 %

 

×

400 %

=

Grundsteuer

=

136,- Euro

 

=

288,- Euro

Fazit

Sachsen kündigte schon im September 2020 an, dass man ein „sächsisches Grundsteuermodell“ entwickelt habe, das ausgewogener sei als das Bundesmodell. Das klang nach etwas ganz eigenem, nach einem komplett anderen Modell, wie es zum Beispiel die Bayern mit ihrem reinen Flächenmodell auf die Beine gestellt haben, das mit dem Bundesmodell nichts mehr gemeinsam hat.

Deshalb mag so mancher überrascht gewesen sein, wie klein die Änderungen gegenüber dem Bundesmodell dann tatsächlich ausfielen. Abweichende Steuermesszahlen – das war es auch schon. Dadurch sollen Wohngrundstücke vor allem in den Ballungszentren nicht übermäßig stark belastet werden.

Ein Anreiz, unbebaute Grundstücke mit Wohnungen zu bebauen, blieb jedoch aus. Denn für unbebaute Grundstücke und Wohngebäude gelten die gleichen Steuermesszahlen.

Aber: Der Gesetzgeber hat mittlerweile beim Bundesmodell einige Änderungen vorgenommen und insbesondere die Steuermesszahl für Einfamilienhäuser, Zweifamilienhäuser, Mietwohngrundstücke und Wohneigentum gesenkt, und zwar von ursprünglich 0,34 ‰ auf 0,31 ‰ (Grundsteuerreform-Umsetzungsgesetz vom 16.7.2021, BGBl. 2021 I S. 2931). Es könnte gut sein, dass Sachsen nachzieht und entsprechende Änderungen vornimmt.

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