Saarland: Grundsteuer berechnen nach dem Landesmodell des Saarlandes

Das Saarland macht zwar auch von der Öffnungsklausel Gebrauch, führt jedoch lediglich – wie auch Sachsen – eigene landesspezifische Steuermesszahlen ein. Im Übrigen wird das Bundesmodell unverändert umgesetzt. Das saarländische Modell ist deshalb eigentlich nur ein modifiziertes Bundesmodell.

Stand des Gesetzgebungsverfahrens

Der Gesetzentwurf des Saarländischen Grundsteuergesetzes, kurz GrStG-Saar, datiert vom 9.4.2021. Nach erster Lesung im Landtag am 14.4.2021 überwiesen die Abgeordneten den Gesetzentwurf an den Ausschuss für Finanzen und Haushaltsfragen zur weiteren Beratung.

Was bedeutet „modifiziertes Bundesmodell“?

Das Saarland wendet grundsätzlich das Bundesmodell an, hat aber davon abweichende Steuermesszahlen beschlossen:

Steuermesszahl für

Bundesmodell

Saarländisches Modell

unbebaute Grundstücke

0,34 ‰

0,64 ‰

Einfamilienhäuser

Zweifamilienhäuser

Mietwohngrundstücke

Wohnungseigentum

0,31 ‰

0,34 ‰

Teileigentum

Geschäftsgrundstück

gemischt genutzte Grundstücke

sonstige bebaute Grundstücke

0,34 ‰

0,64 ‰

Ansonsten unterscheiden sich die Rechenschritte und die verwendeten Zahlen von Bund und Saarland nicht.

Vergleich: Berechnung der Grundsteuer nach dem Saarländischen Grundsteuergesetz und dem Bundesmodell

Das Saarland setzt das Bundesmodell nahezu unverändert um. Durch die Festlegung unterschiedlicher Messzahlen sollen Wohnimmobilien geringer belastet werden als zum Beispiel Gewerbeimmobilien. Bis zum Grundsteuerwert sind die Rechenwege deshalb identisch.

Beispiel:

Familie Schneider lebt in Saarbrücken. Der Grundsteuerwert für ihr Einfamilienhaus beträgt 183.600 Euro. Der Hebesatz liegt bei 490 %.

So wird nach dem Bundesmodell bzw. saarländischen Landesmodell gerechnet

 

 

 

Bundesmodell

 

 

Landesmodell

 

Grundsteuerwert

 

183.600 Euro

 

 

183.600 Euro

×

Steuermesszahl

×

0,00031

 

×

0,00034

=

Steuermessbetrag

=

56,92 Euro

 

=

62,42Euro

×

Hebesatz

×

490 %

 

×

490 %

=

Grundsteuer

=

278,91 Euro

 

=

305,86 Euro

Ergebnis der Vergleichsrechnung

Die Grundsteuer nach dem saarländischen Landesmodell für ein Einfamilienhaus fällt Stand heute etwas höher aus als nach dem Bundesmodell. Der Grund: Im Grundsteuergesetz des Bundes hat der Gesetzgeber mittlerweile die Steuermesszahl für Einfamilienhäuser, Zweifamilienhäuser, Mietwohngrundstücke und Wohneigentum gesenkt, und zwar von ursprünglich 0,34 ‰ auf 0,31 ‰ (Grundsteuerreform-Umsetzungsgesetz vom 16.7.2021, BGBl. 2021 I S. 2931).

Das saarländische Modell, das sich derzeit im Gesetzgebungsverfahren befindet, könnte diesbezüglich noch nachziehen und die Steuermesszahl für die genannten Gebäude ebenfalls absenken. Bei Wohnbebauung wäre dann die zu zahlende Grundsteuer bei beiden Modellen gleich hoch.

Ansonsten …

Die höhere Steuermesszahl zum Beispiel für unbebaute Grundstücke oder Gewerbegrundstücke bewirkt, dass nach dem Landesmodell deutlich mehr Grundsteuer zu zahlen ist, als nach dem Bundesmodell fällig wäre.

Beispiel:

Familie Wagner besitzt ein unbebautes Grundstück in Saarbrücken. Der Grundsteuerwert beträgt 150.000 Euro, der Hebesatz liegt bei 490 %.

 

 

 

Bundesmodell

 

 

Landesmodell

 

Grundsteuerwert

 

150.000 Euro

 

 

150.000 Euro

×

Steuermesszahl

×

0,00034

 

×

0,00064

=

Steuermessbetrag

=

51,- Euro

 

=

96,- Euro

×

Hebesatz

×

490 %

 

×

490 %

=

Grundsteuer

=

249,90 Euro

 

=

470,40 Euro

Fazit

Das Saarland nimmt am Bundesmodell nur eine punktuelle Modifizierung vor. Gerade diese führt aber zu einer deutlich höheren Grundsteuer für unbebaute Grundstücke und Gebäude, in denen nicht überwiegend gewohnt wird.

Ziel war es hier jedoch, den saarländischen Kommunen das Grundsteueraufkommen zu sichern, ohne die im Saarland stark vertretenen Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern zu belasten. Insbesondere soll durch die unterschiedlichen Messzahlen eine Anhebung der Hebesätze vermieden werden.

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